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von Barbara Brüning

aus: Publik-Forum 8/2011

vom 22.04.2011

Heiliges Begehren

Was die Kirchen vom Tantra lernen könnten: das Göttliche in der Sexualität zu finden. Die Sehnsucht nach dem oder der Geliebten und die Sehnsucht nach Gott lassen sich nicht gegeneinander ausspielen

Mit der Liebe in der katholischen Kirche ist etwas faul. Priester, die sich verlieben und zu ihrer Geliebten stehen, verlieren ihre Arbeit und ihr Ansehen. Andere suchen sich üble Auswege für die verbotene Liebe. Niemals haben mehr Menschen die katholische Kirche verlassen als im letzten Jahr. Und sie gehen nicht etwa, weil sie ihren Glauben verloren haben, weil ihnen gleichgültig ist, was da passiert: nein, sie gehen bewusst und aus Protest. Ihre Gründe mögen vielfältig sein. Der Auslöser aber ist der Missbrauchsskandal. Und im Herzen des Missbrauchsskandals steht die Frage nach der Liebe: nach ungeteilter geistiger und körperlicher Liebe. Darauf gibt nicht nur die katholische Kirche keine befriedigende Antwort. Wie kann das sein, nachdem Theologen seit zweitausend Jahren über die Religion der Liebe nachdenken?

Der Wahnsinn der Wollust

»Wo war ich und wie weit verbannt von den Ursonnen deines Hauses in jenem sechzehnten Jahre meines leiblichen Lebens, da der Wahnsinn der Wollust die Herrschaft über mich gewann …« So schreibt Augustinus, einer der einflussreichsten Kirchenväter, in den »Bekenntnissen« über seine Jugend. Noch lange sollte er an diesem Wahnsinn leiden. Und selbst die Freundschaft blieb davon nicht unberührt: »So trübte ich den Quell der Freundschaft mit dem eklen Schlamme der Sinnenlust, ihren reinen Glanz verdunkelte ich durch höllische Lüste.«

Augustinus, in der Kirchengeschichte sicher einer der maßgeblich Verantwortlichen für die Ablehnung der Sexualität, hatte reichlich Erfahrung. In seinen »Bekenntnissen« kann man ihn in seinem jahrelangen quälenden Kampf um die Befreiung von der Sexualität begleiten. Eine Fessel sei sie, die ewige Gier. Unfrei fühlte er sich. Getrieben. Warum er sie nicht einfach als eine Gegebenheit des Menschlichen integrieren konnte, erklärt sich aus seiner Beschreibung der Sexualität: Ihn stießen die »tierischen Bewegungen« ab. Unkontrolliert, wie die Leidenschaft, die einen überfällt, ohne dass man es will. Unkontrolliert wie das männliche Sexualorgan, das sich regt, auch wenn der Mann es gar nicht möchte. Und dieser Kontrollverlust fuchst Augustinus. Daher seine Lösung: Man heirate, und wenn denn Sex schon sein muss, dann bitte aus Gehorsam. Willentlich und kontrolliert. Nicht weil die Lust einen überkommt. Denn der Wille, den rechnete er dem Geistigen, dem Reich des Guten zu, über das der Mensch selbst bestimmt. Dass ein solcher Sex kalt und gefühllos ist, darauf kam er nicht. Dabei muss Sexualität kein Hindernis auf dem Weg zur Spiritualität sein.

Ein wahrer Kern steckt allerdings in Augustinus’ Beobachtungen: Die Sexualität hat eine große Kraft. »Die katholische Kirche vertritt die archaische Auffassung, dass Sexualität eine so gewaltige Macht ist, dass man dem Menschen beistehen muss, in dem man sie reglementiert undeinschränkt«, sagt der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker. Dabei sei es gerade das Verbot, das ihr solch eine Macht verleihe: »Es ist die Lust am Verbot, die die Sexualität groß macht«, sagt Dannecker. »Groß ist sie im Begehren und in der Verliebtheit: Da schwingt sie sich zu Höhen auf.«

Wunibald Müller, Psychologe und katholischer Theologe, kennt sich als Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach mit den dunklen Seiten der Sexualität aus. Zu ihm kommen auch Geistliche, denen die Sexualität zum Problem wird. Es sei wichtig, sich seiner sexuellen Wünsche bewusst zu sein, damit die Sexualität nicht über einen verfüge, erklärt er.

Sexuelle Erfahrung befähige den Menschen, aus sich herauszutreten, erklärt Wunibald Müller: »Extasis! Nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Die Mystiker erleben in der Begegnung mit Gott das, was menschliche Liebespartner in der sexuellen Begegnung erfahren.« Darüber hinaus sei die Sexualität Quell der Lebenslust: »Wenn ich die sexuelle Lust abschneide, dann schneide ich überhaupt die Lebenslust ab. Wenn ich den Eros kastriere, dann führt er mich nicht in die Leidenschaft für das Leben, für die Menschen, für Gott. Das führt in die Kälte, das führt in die Sterilität.«

Von einem Verbot der Sexualität sind wir heute weit entfernt. Bilder nackter und sexualisierter Körper sind allgegenwärtig. »Sexualität wird entdramatisiert, indem man sie praktiziert«, sagt Martin Dannecker. »Mit dem Aneinander-Gewöhnen verliert sie ihr eigenes Aroma. Die sexuelle Frequenz lässt nach.« Natürlich macht die Abwesenheit von Tabus es auch leichter, über Sex zu sprechen. »Es gibt die Sexualtherapie. Das ist eine gute

Sache. Es kann aber durchaus sein, dass einer der Partner sagt: Nach all dem Sprechen erfüllt das nicht mehr meine Wünsche. Man kann Sexualität totreden, zum Ersticken bringen.«

Da verwundert es nicht, dass die Zahl der Asexuellen, die einfach keinen Sex haben wollen, zunimmt. »Ich glaube schon, dass die allgegenwärtigen Bilder und das Reden über Sexualität einen Einfluss haben«, sagt Dannecker. Ein Motiv könnte sein, dass die Ansprüche, die in Filmen und Werbung vorgelebt werden, einfach zu hoch sind.

Hartwin Dreier ist Tantralehrer und Begründer des Tantrazentrums Surya Tantra in Niedernhausen bei Wiesbaden. Er zeigt die Bedeutung der Sexualität mit Gesten. Die Hände gekreuzt auf dem Unterleib: »Das ist wie in einem Ofen; wenn das Feuer hier brennt, kann die Wärme aufsteigen« – die gekreuzten Hände wandern zum Herzen – »und den Geist nähren«: Er zeigt auf den Kopf. Das alles gehöre zusammen und sollte nicht getrennt werden. »Becken und Herz, die Verbindung muss da sein. Lust und Liebe gehören zusammen«, sagt Dreier. Einundfünfzig Jahre ist er alt, schlaksig, blond und wirkt kein bisschen indisch.

Claudia B. ist Schülerin von Hartwin Dreier. Ihr ging es noch vor ein paar Jahren ein bisschen so wie Augustinus: Beziehungen hielten nicht lange. »Und nach einer Weile fing ich immer an, mir andere Männer anzusehen.« Claudia B. ist eine schlanke Frau, Anfang vierzig. Über das Internet stieß sie auf Surya Tantra. Inzwischen hat sie schon an einigen Seminaren dort teilgenommen. Sie lebt seit fast vier Jahren mit ihrem Freund zusammen – und sie besuchen die Seminare gemeinsam.

Sakrament der Intimität

Die Softwareentwicklerin und Mutter zweier Teenager hat sich durch die Begegnung mit Tantra sehr verändert. Die zierliche Frau mit dem blonden Pferdeschwanz sitzt im Schneidersitz in Dreiers Wohnzimmer. Ihre Wangen haben sich leicht gerötet. Über Tantra zu sprechen ist aufregend.

Tantra-Lehrer Dreier ist Musikpädagoge, Musiker und Körpertherapeut; er arbeitet viel mit Musik und setzt Übungen aus der Energiearbeit ein. Zu seinen Seminaren kommen Handwerker, Angestellte und Intellektuelle. »Es war auch schon ein Pfarrer dabei«, berichtet er. »Aber meist weiß ich den Beruf gar nicht, wir fragen nicht danach.« Manche seiner Teilnehmer sind kirchlich traumatisiert. Sie ziehen sich zurück, wenn sie einen Altar sehen, wollen nichts mit Räucherstäbchen und Gurus zu tun haben.

Dabei ist die Einstellung des Tantra zum Göttlichen eine ganz andere als gemeinhin im Christentum: »Da ist nicht hier der große Gott und auf der anderen Seite der Mensch als armer Sünder«, sagt Dreier. »Jeder findet das Göttliche in sich selbst. Es ist immer ein Weg der Selbsterfahrung. Wenn ich Ganesha, eine beliebte Verkörperung des Göttlichen, betrachte, dann verinnerliche ich seine Energie, Hindernisse zu überwinden, und stärke mich auf diese Weise. Ganesha ist nur eine Projektionsfläche, ein nach außen gebrachtes Bild, das es mir leicht macht, diese Kraft in mir selbst zu finden«, erläutert der Tantra-Lehrer.

»Man lernt auch ganz einfache Dinge in den Tantra-Seminaren«, erzählt Claudia. »Wie man einen Penis gut berührt zum Beispiel. Das erklärt einem doch sonst niemand. Woher soll man das wissen?« Dabei geht es nicht darum, zum Orgasmus zu kommen. Das Begehren hat seine eigene Qualität und wird ausgekostet. Um die Achtung vor dem anderen auszudrücken, schlafen Mann und Frau nebeneinander, einander begehrend, aber ohne sich zu berühren.

Auch der Theologe Wunibald Müller schätzt diese Übung aus seiner eigenen Erfahrung mit Tantra: »Man liegt einfach nur nebeneinander, sodass man ein Gefühl füreinander bekommt und ein großer Respekt voreinander zum Ausdruck kommt. Und irgendwann hat dann auch die sexuelle Begegnung ihren Platz. Davon geht etwas ganz Heiliges aus. Wenn einem jemand so respektvoll begegnet, ist das unheimlich heilend. Eine solche Begegnung könnte zu einem Sakrament der Intimität werden.« Für Müller jedenfalls sind Tantra-Praxis und christlicher Glaube keine Gegensätze. Zumal sich im Alten Testament viele Erzählungen finden, die Erotik und Sexualität bejahen. Das Christentum muss nicht notwendigerweise den Sex abwehren oder für im Kern schlecht erklären.

»Am Schluss gibt es immer ein Abschlussritual«, erzählt Claudia über ihre Tantraerfahrungen. »Das kann eine Verehrungszeremonie für die weibliche Göttin Shakti in jeder Frau sein.« Dabei komme manche Frau an ihre Grenze – wie sie selbst auch: »Wir hatten ein Verehrungsritual gemacht. Wir saßen uns gegenüber, und ich war fürchterlich gerührt und bewegt dadurch, dass ich so verehrt wurde. Ich konnte das nicht aushalten und habe angefangen zu weinen.« Später sei ihr klar geworden, dass es ihr generell schwerfalle, etwas anzunehmen. »Ich kann auch mit Lob nicht gut umgehen. Aber es hat mich in meinen eigenen Augen aufgewertet. Ich kann nun viel achtsamer mit mir selbst umgehen, habe ein ganz anderes Gefühl für meine eigene Weiblichkeit entwickelt.«

Vom Geben und Nehmen

Auf Claudias Beziehung wirkt sich diese Erfahrung ebenfalls positiv aus. »Mein Freund kann mir immer besser geben, und ich kann es immer besser empfangen und annehmen. Das tut uns irre gut. Was ich in der Sexualität mit dem Mann erlebe, ist unglaublich und irre, ich hätte das niemals für möglich gehalten. Es ist immer wieder neu und spannend. Völlig erfüllend.«

Eine sexuelle Begegnung ist mehr als nur Ladung und Entladung auf der genitalen Ebene. »Es entsteht ein feinstofflicher Energiekreislauf«, sagt Hartwin Dreier, »denn Mann und Frau sind in ihren Genitalien und auf der Herzebene gegengepolte Wesen. Die Liebesorgane, Genitalien und das Herz, sind gegensätzlich und genau ineinanderpassend geformt. Der Mann gibt seine Liebe von seinem Herzen über den Penis an die Frau. Die Frau kann sich vom Mann über ihre Vagina bis in ihr Herz berühren lassen. Dort ist ihr gebender Pol. Und der Mann empfängt ihre Liebe vom Herzen her.«

Vom Trennen und Verbinden

In unserer Gesellschaft würden Frauen oft dazu gezwungen, zu vermännlichen, meint der Tantralehrer. Gleichzeitig hätten viele Männer Angst, eine Frau während des Geschlechtsverkehrs zu verletzen, und seien deshalb extrem vorsichtig. Oder schämten sich für ihre Erektion. »Durch das Tantra kommt es so weit, dass Frauen und Männer sich über ihre Energie auch wieder freuen können und Sexualität dann etwas ganz Leichtes, Schönes und Selbstverständliches ist«, beschreibt Dreier. Männer würden weicher und Frauen kämen »mehr in ihre Kraft, ohne zu vermännlichen, das ist dann eher so eine weibliche Urkraft«. Und ein Mann, der zu seinen Gefühlen stehen und auch weich sein könne, der habe eine ganz tolle Qualität.

Allerdings ist das alles gar nicht so einfach und selbstverständlich, wie es klingt. Vielen Frauen fällt es heutzutage schwer, zu empfangen. Gewohnt, ihr Leben im Griff zu haben, fällt es ihnen schwer, sich hinzugeben. Entsprechend schwer sei es für Männer, zu ihrer Männlichkeit zu stehen, schreibt die Schweizer Tantralehrerin Doris Christinger in ihrem Buch »Vom Nehmen und Genommen werden«. Während sich Frauen und Männer in Alltag und Beruf eher kontrollieren müssten, erfordere Tantra genau das Gegenteil. Im Beruf gehe es um Trennen und Grenzen ziehen, Planen und Machen, nicht aber um Fühlen, Sein und Geschehenlassen.

Das Wort »Tantra« enthält die Wurzel »Tan«, was so viel bedeutet wie weben, verbinden. Eine andere Bedeutung ist Gewebe oder auch Erweiterung. So wie der Faden durch eine Verbindung mit anderen Fäden im Gewebe seine Existenz überschreitet und zu etwas Größerem wird, so, könnte man sagen, überschreitet der Mensch durch die Verbindung mit einem anderen die Beschränktheit seiner Existenz.

»Angst- und Herrschaftsideologien haben ein höchstes Interesse an festen, erkennbaren und unüberschreitbaren Grenzen. Die Grenzen zwischen Männern und Frauen, zwischen Sündern und Gerechten, zwischen Reinen und Unreinen, zwischen Rechtgläubigen und Ungläubigen sollen gewahrt werden«, schreibt der evangelische Religionspädagoge Fulbert Steffensky. Hier das Fleisch, dort der Geist; dazwischen eine deutliche Grenze. So könnte man den christlichen Dualismus, unser platonisches Erbe, charakterisieren.

Eigentlich erstaunlich, dass die Kirchen zwar die Menschwerdung Gottes lehren, sie aber nicht leben. Ist doch der Gott der Bibel der oberste Grenzverletzer: Als Geistwesen hat er eine materielle Welt erschaffen. Und ist schließlich selbst Fleisch geworden. Aus Liebe. Und Jesus ist der Grenzverletzer schlechthin: Ungehöriges hat er mit Anerkanntem verbunden. Am Sabbath heilte er Kranke. Aussätzige hat er berührt. Mit Sündern gespeist.

»Die größte Grenzverletzung ist seine eigene Existenz: Der Sohn des Lichts birgt sich in unser Schicksal – Gott wird Mensch«, schreibt Steffensky. »Gott hat sich mitgeteilt: Er duldet keine Apartheid, auch nicht die zwischen sich selbst und seinen Geschöpfen.«

So gesehen ließe sich die Praxis des Tantra sehr gut ins Christentum übertragen; Sexualität und Spiritualität müssen keine Gegensätze sein. Wird Liebe so verstanden, wie sie Steffensky beschreibt, wirkt sie immer auch politisch. Schon die Tantra-Anhänger in Indien mussten sich heimlich treffen: Sie akzeptierten die Trennung in Kasten nicht. Trennungen liegen im Interesse von Machthabern, die ihre Macht behalten wollen – Liebe findet sich mit diesen Trennungen nicht ab.

»Im Tantra geht es um die Verbindung von allem, was ist«, erläutert Tantralehrer Dreier. »Alles ist verbunden, nichts wird ausgegrenzt oder abgelehnt. Gegensätzliches gehört zusammen: kein Heiß ohne Kalt, kein Oben ohne Unten, kein Männlich ohne Weiblich.« Das große Entweder-Oder, das Augustinus bis zur Verzweiflung quälte, gibt es in dieser Sichtweise gar nicht: Spiritualität und Sexualität gehören zusammen. Zumindest dann, wenn man bereit ist, Macht für Hingabe aufzugeben.

Claudia B. hat sich durch die Begegnung mit Tantra sehr verändert: »Es führt dazu, dass man authentischer wird und immer weniger Masken und Fassaden um sich hat«, sagt sie. Und dadurch würden Intimität und Hingabe möglich. »Sich wirklich hinzugeben ist wie eine Entdeckungsreise durch helle und dunkle Landschaften«, schreiben die Paar- und Sexual-Therapeuten Doris Christinger und Peter A. Schröter. »Die hellen Aspekte der Hingabe sind Offenheit und Entspannung, Kontrolle aufzugeben, sich verletzlich zu zeigen, zu akzeptieren und zu respektieren.«

Eine der Übungen im Tantra besteht übrigens darin, sich bei der Liebe in die Augen zu sehen. Eine nur scheinbar ganz einfache Übung – mit revolutionärem Potenzial.

»Augen auf« bedeutet auch: Ansehen und Hinnehmen von dem, was ist. Sich öffnen für die Welt. Sich trotz allem öffnen für die Kirche? Sehen von Missständen. Sehen von Missbrauch. Und sich danach sehnen, sie zu überwinden. Um sie schließlich zu überwinden. Das wäre einer Religion der Liebe angemessen.

Heiliger Schöpfungsakt

Tantra bezeichnet bestimmte Lehren hinduistischer und buddhistischer Strömungen, die auch die Sexualität als Teil der Schöpfung und der göttlichen Kraft verehrten. Ähnlich wie die Götter der griechischen Mythologie waren auch die tantrischen Götter sexuelle Wesen. Für den Tantriker ist der Sexualakt heilig, er wiederholt darin den Schöpfungsakt. Es ist die Lust, die in den tantrischen Praktiken die Energie liefert, durch die das normale Bewusstsein aufgehoben wird und der nonduale Zustand, das Samarasa, erreicht wird. Tantra kam aus einem Randbereich der etablierten Kultur, als Gegenoffensive zu den alten, unterdrückten Religionen in Indien. Die tantrischen Lehren wurden in Indien mehr oder weniger geheim von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Seine Blütezeit hatte es bis etwa zum 13. Jahrhundert.

Zum Weiterlesen: Klaus Hofmeister und Lothar Bauerochse (Hrsg.), »Himmlische Lust: Religion und Sexualität«, Claudius-Verlag, München, 19,80 €; Doris Christinger und Peter A. Schröter, »Vom Nehmen und Genommen werden. Für eine neue Beziehungserotik«, Piper Verlag, 9,95 €; Wunibald Müller, »Küssen ist Beten: Sexualität als Quelle der Spiritualität«, Matthias Grünewald Verlag, 14,30 €; Martin Dannecker, »Das Drama der Sexualität«, Europäische Verlagsanstalt, 10,50 €Seminare: Birgit Blechschmidt und Hartwin Dreier verbinden Musik, Tanz, Massage und Yoga mit Körpertherapie und tantrischen Ritualen. Distelweg 17, D-65527 Niedernhausen, Tel. 06127/79382, www.surya-tantra.de