von Barbara Brüning

Frankfurter Rundschau 132/2009

vom 10./11.06.2009

Der Nachtarbeiter

Daniel Frerix studiert an der HfG in Offenbach und dreht einen Fantasy Film

„Visuell ein bisschen eigenartig aber sonst konventionell“, charakterisiert Daniel Frerix seinen ersten Langfilm. Frerix ist Student an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Es ist eher ungewöhnlich, dass Studenten schon Kinofilme drehen. Der 28jährige, der filmt seit er mit fünf die Videokamera seiner Eltern in die Finger bekam, tut noch mehr ungewöhnliche Dinge. Sein Handy hat er in den Main geworfen. „Weil ich meine Ruhe haben will“, erklärt er. „Vor allem beim Schreiben.“ In der Regel fange er abends um neun an zu arbeiten und höre bis morgens um zehn nicht mehr damit auf. „Ich arbeite viel. Ich will Filme machen. Jetzt, wo ich noch so gut an die Ausstattung komme und soviel Unterstützung habe. Das will ich ausnutzen. “

Die durchgearbeiteten Nächte steckt er gut weg. Auch am Vormittag um zehn ist er ruhig und konzentriert. Seine Hände ruhen gelassen neben einer Tasse Milchkaffee.

‚Rungu Lufus‘ ist ein Fantasyfilm über ein Internat: Drei Jugendliche werden ausgesandt, um ihre Schule zu retten. Die Landschaften erinnern an Gemälde von Caspar David Friedrich und sorgen für eine eigene Stimmung. Viel fehlt nicht mehr, dann ist er fertig. Eigentlich nur noch die Effekte. 94 Einstellungen müssen bearbeitet werden. „Die Computeranimationen dauern am längsten, wenn man wenig Geld hat“, sagt Daniel Frerix. Gedreht wurde komplett ohne Ton. Durch die Synchronisation bekomme der Film noch mehr Hollywoodcharakter, erläutert der Autorenfilmer.

Die Hessische Filmförderung und die von Frerix gegründeten Produktionsfirma Cinetirol finanzieren das Ganze. Sieben Wochen Drehzeit kosten Geld. Die Ausstattung kommt von der Hochschule, die Darsteller arbeiten erst mal umsonst. Ja, sagt Frerix, er habe ein Anliegen mit diesem Film. Das Ökologische sei ihm wichtig, aber auch das Multikulturelle.

Der Film ist an ‚Krieg der Sterne‘ orientiert. George Lucas und Andrej Tarkowski zählt Frerix zu seinen Vorbildern. Aber im Moment gefalle ihm auch Werner Herzog sehr gut. Akira Kurosawa nicht zu vergessen. Von Tarkowski und Lucas hat er das Konzept der versiegelten Zeit. „Damit ist gemeint, dass alle Objekte im Film eine eigene Geschichte haben“, erklärt er. „In den Dingen ist Vergangenheit eingeschlossen. Sie haben schon etwas erlebt. “ Deshalb habe er die weißen Raumanzüge für ‚Rungu Lufus‘ erst mal eine Woche in seiner Dusche in Tee gelegt, damit sie dreckig würden. Dann habe er Asche gesammelt und sie damit eingerieben, erinnert er sich und wärmt seine Hände an der Tasse.

„Ideal wäre ja ein Film, der experimentell ist und trotzdem alle erreicht, “ sinniert der Nachtarbeiter. „Das wäre mein Ziel. Vielleicht eine reine Formensprache. So ein Film, den die ganze Welt versteht, egal welche Sprache, egal welcher Herkunft, den alle nachvollziehen können. “ Eines seiner Experimente kann man derzeit im Internet bei 3SAT sehen. „Die Wiedervereinigung der Familie Hofenberg“. Eine Auftragsarbeit für die Reihe „Bruder Tod. “

Im Juli beginnt Frerix mit den Dreharbeiten für seinen Abschlussfilm. Das Drehbuch steht schon. Und nach dem Studium? Ja – er hat auch daran schon gedacht. „Dann wird wohl ‚Das kleine Fernsehspiel‘ meine erste Anlaufstelle sein. “ Inzwischen ist die Tasse mit Milchkaffee leer. Jetzt ist sie schmutzig, hat auch eine Geschichte und versiegelt Zeit.