von Barbara Brüning

Frankfurter Rundschau 71/2009

vom 25.03.2009

Die Filmemacherin

Hanna Hoeft hat eine Dokumentation über das Waldcamp der Flughafengegner gedreht

An der Haustür der Familie Hoeft in Groß Gerau hängt eine Schiffsglocke mit der Aufschrift „Titanic 1912“. Eigentlich wäre die der Arche Noah passender, denn Hanna Hoeft scheint spezialisiert auf das Retten von Tieren: Vier Katzen und zwei Hunde haben hier Asyl gefunden. Neben den fünf Schildkröten.

Seit sie nach dem Abitur eine Filmkamera geschenkt bekommen hat, filmt sie, was ihr vor die Augen kommt. Sie hält Tierquälerei auf La Gomera fest und bekommt Kalua, die kaffeelikörbraune Mischlingshündin geschenkt. Vieles scheint ihr so zuzufliegen.

Im vergangenen Sommer ging die 22jährige im Wald spazieren und stieß auf Zelte und Transparente. Das Waldcamp der Flughafenausbaugegner war gerade im Entstehen. Sie hielt es mit der Kamera fest, war fasziniert vom Leben im Wald und dem Engagement der Ausbaugegner, die oft gar nicht direkt vom Ausbau betroffen sind, weil sie nicht in Frankfurt oder Umgebung leben.

Hoeft hat zweieinhalb Jahre Filmausbildung hinter sich. Sie weiß, wie man Dokumentarfilme dreht. Sung-Hyung Cho, die Regisseurin von „Full Metal Village“ war ihre Lehrerin. Danach sei ihr klar gewesen: „So was will ich auch machen“, sagt die junge Frau. Ihren Abschlussfilm drehte sie über ein soziales Projekt in Wiesbaden.

Jetzt hat sie das Material für einen Dokumentarfilm über das vor wenigen Wochen geräumte Camp im Wald im Kasten. „Ich möchte das Camp-Leben zeigen: wie die Menschen miteinander umgehen. Und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben.“

Nach dem Abitur habe sie erst mal ein Praktikum im Staatstheater Wiesbaden gemacht, erzählt Hoeft, dann eines in einer Werbeagentur. Dort durfte sie Werbefilme drehen. Mit Freunden habe sie auch schon Kurzfilme gedreht. Bei YouTube findet man ein Musikvideo von ihr. Aber das alles habe sie nicht so berührt, wie der Dokumentarfilm, sagt die Nachwuchsfilmerin. „Man hat mit den Menschen zu tun und die wachsen einem so ans Herz, wenn man sie dokumentiert. Man lernt sie langsam kennen“, sagt Hoeft. Und genau das möchte sie mit ihrem Film festhalten: Wie aus Fremdheit und Neugier Nähe und Verständnis entstehen.

Die Dokumentarfilmerin hofft auf Filmförderung, damit sie sich für den Schnitt professionelle Unterstützung holen kann. Für den Antrag muss sie nur noch den Trailer fertig bekommen.

Ihre Mutter sei schon lange bei den Flughafenausbaugegnern engagiert, berichtet die gebürtige Thüringerin. Aber sie wollte damit nie etwas zutun haben. „Ich habe immer gedacht, ich sei unpolitisch. Aber jetzt nach meinen ersten Filmen habe ich gemerkt: bin ich ja doch nicht. Ich will nicht, dass Natur kaputt gemacht wird, ich will nicht dass Tiere gequält werden, ich will nicht, dass es Menschen schlecht geht. Das ist doch auch schon politisch. Das ist das, worüber ich Filme machen will.“